„Feminismus“ ist ein Wort, das oft Diskussionen auslöst. Für manche steht es für Gleichberechtigung, für andere klingt es nach Streit oder Übertreibung. Aber bevor man entscheidet, ob er noch gebraucht wird, sollte man erst verstehen, worum es dabei eigentlich geht.
Was ist Feminismus überhaupt?
Das Wort „Feminismus“ stammt ursprünglich aus dem lateinischen Wort „Femina“, was „Frau“ bedeutet, und der Endung „-ismus“, welche für eine Art System steht. Das Wort selbst kommt aus dem französischen (feminisme) vom Philosophen Charles Fourier. Er hat das Wort oft benutzt, um die Bewegung gegen die Unterdrückung von Frauen zu benennen. Und genau das ist Feminismus: eine Bewegung, die sich gegen die Unterdrückung von Frauen und für Gleichberechtigung aller Geschlechter einsetzt. Es geht nicht darum, Männer schlechter zu stellen oder zu sagen, dass Frauen besser sind, wie viele denken, sondern darum, dass Frauen den gleichen Wert haben wie Männer. Früher ging es beim Feminismus um Dinge wie das Wahlrecht für Frauen oder den Zugang zu Bildung, heute jedoch geht es um gleiche Chancen, gleiche Bezahlung und Schutz vor Diskriminierung und Gewalt.
Ist Feminismus im 21. Jahrhundert überflüssig?
Auf den ersten Blick scheint die Gleichberechtigung, um die sogar heute noch gekämpft wird, selbstverständlich – aber ist sie das wirklich? Viele argumentieren, dass Frauen und Männer heutzutage die selben Rechte haben. In Deutschland dürfen Frauen nämlich frei wählen, arbeiten und jede Ausbildung machen. Manche finden deshalb, dass der Feminismus sein Ziel bereits erreicht hätte. Einige kritisieren außerdem, dass Feminismus heutzutage die Menschen eher spaltet, statt sie zu verbinden, da sich manche durch bestimmte Aussagen angegriffen fühlen und andere denken, dass Männer pauschal schlecht dargestellt werden. Außerdem eskalieren Diskussionen zum Thema in sozialen Medien zum Beispiel sehr schnell, weshalb einige finden, dass Feminismus heute eher für Streit sorgt. In sozialen Medien wird auch oft behauptet, die Gleichberechtigung sei längst Realität, jedoch gibt es auch Stimmen, die sagen, mittlerweile seien eher Männer benachteiligt.
Ungleichheiten heutzutage
Schaut man aber genauer hin, zeigt sich etwas anderes. Trotz der gleichen Rechte auf dem Papier verdienen Frauen im Durchschnitt noch immer weniger (das nennt sich auch „Gender-Pay-Gap“). In Führungspositionen sind Männer auch deutlich häufiger vertreten und bestimmte Berufe gelten noch immer als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“, zum Beispiel Erzieher/in oder Feuerwehrmann/frau. Zusätzlich ist die Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein großes, gesellschaftliches Problem. Auch im Alltag erleben viele Frauen oft sexistische Kommentare oder Vorurteile aufgrund ihres Aussehens, ihrer Kleidung, ihrer Herkunft oder ihres Berufes. Gleichberechtigung bedeutet also nicht nur die gleichen Rechte, sondern auch die gleichen Chancen, den gleichen Wert und den gleichen Respekt.
Fazit
Am Ende stellt sich also die Frage, wie man Feminismus heutzutage versteht. Feminismus ist heute nicht mehr derselbe, wie vor 100 Jahren, da damals für die gleichen Rechte gekämpft wurde und heute für die gleichen Chancen. Vielleicht hat sich bis jetzt vieles verbessert, jedoch heißt es nicht, dass alles perfekt ist und so lange es noch Ungleichheiten gibt, bleibt das Thema relevant. Die eigentliche Frage hierbei ist vielleicht nicht, ob wir Feminismus noch brauchen, sondern in welcher Form wir ihn brauchen. Wichtig ist außerdem, dass es hier nicht darum geht, ein Geschlecht über das andere zu stellen, sondern darum, beide gleich zu stellen. Und vor allem im 21. Jahrhundert sollte Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit sein.
Quellen:
https://www.gwi-boell.de/de/2018/05/25/was-ist-feminismus
Literatur: Juliane Frisse: Feminismus (ISBN: 9783551317445)
Beitragsbild: https://www.zeit.de/2016/50/feminismus-heute-muetterarmut-gewalt-frauenhandel-frauenbewegungen (Eine Demonstration der Frauenbewegung der 1970er-Jahre in Washington © Don Carl Steffen/ Getty Images)
Rasta Yari

