Wir haben uns in der ersten Oktoberwoche mit dem Autor, Komponisten und Hauptdarsteller des Musical „Im Glänzenden Schein„, Kilian Dedroogh, der Regisseurin Lena Prätorius und der Hauptdarstellerin Margareta Ruby getroffen und ihnen Fragen zum kreativen Prozess gestellt.
Stellt euch einmal unseren Lesern vor. Wer seid ihr?
Kilian Dedroogh: Ich heiße Kilian Dedroogh, bin 18 Jahre alt und besuche aktuell mein letztes Jahr auf dem Goethegymnasium.
Lena Prätorius: Mein Name ist Lena Prätorius, ich bin 25 Jahre alt und studiere Kulturwissenschaften mit den Fächern Theater und Musik. Seit 2023 bin ich im Jugendchor des TfN.
Margareta Ruby: Ich heiße Magareta Ruby, bin 16 Jahre alt und aktuell Schülerin im 12. Jahrgang des Goethegymnasiums.
Was war euer erster Gedanke, als ihr gehört habt, dass Killian ein Musical schreibt?
LP: Geil! Ich wollte schon immer mal ein Musical inszenieren.
MR: Ich war überrascht, weil das natürlich ein sehr großes Projekt ist. Aber ich war auch gespannt, da das Entwickeln von so einem Stück sehr facettenreich ist. Ich habe am Anfang auch nicht damit gerechnet, wie groß der Aufwand für dieses Projekt wird, da sich vieles erst nach und nach ergeben hat.
Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Musical zu schreiben:
KD: Die Idee, ein Musical zu schreiben, entstand aus meiner Leidenschaft für Musicals und Theater allgemein. Mich hat schon immer fasziniert, wie Musicals Geschichten auf eine emotionale und eindrucksvolle Weise erzählen können. Ich wollte selbst einmal ausprobieren, so eine Form des Erzählens zu gestalten – etwas, das Menschen bewegt und sie zum Nachdenken bringt. Anfangs war eigentlich nur eine kleine Gala mit thematisch passenden Liedern geplant, aber je mehr ich mich mit dem Projekt beschäftigt habe, desto größer wurde meine Inspiration. Mit der Zeit entstand daraus ein komplettes Musical. Unterstützung bekam ich dabei unter anderem von Lena, die beim Schreiben mithalf, und von Simon, der mich bei der Musik unterstützte. So wuchs das Projekt Stück für Stück zu etwas Eigenständigem heran.
Wie seid ihr in das Projekt reingerutscht?
LP: Kilian hat mir in einer Chorprobe von seinen Ideen erzählt und mich gefragt, ob ich mal über das Textbuch „drüber lesen“ würde. Ich habe natürlich ja gesagt, aber auch direkt gefragt, ob er noch eine Regie braucht, weil das schon ganz lange auf meiner Bucket List stand (und mittlerweile ja auch zu meinem beruflichen Ziel geworden ist). Dadurch ist es dann irgendwie zu einem gemeinsamen Projekt geworden, zusammen mit Simon.
MR: In das Proiekt hineingerutscht bin ich im Sommer 2024. als Kilian mich das erste mal gefragt hat, ob ich Lust hätte in einem Musical mitzuspielen. Da war noch geplant, dass es ein sehr viel kleineres Proiekt mit sehr viel weniger Beteiligten wird. Ich hab ja gesagt, weil ich die ldee gut fand und das Musical gerne unterstützen wollte.
Die Premiere ist jetzt über eine Woche her. Was denkt ihr im Nachhinein über das Projekt?
LP: Dieses Projekt ist glaube ich das coolste (aber auch anstrengendste) was ich je gemacht habe. Ich war am Tag der Premiere aufgeregter als ich es vor eigenen Auftritten je gewesen bin. Man setzt einfach sein „Baby“ in die Welt und es ist auch im Nachhinein immer noch total surreal, dass das, was man nachts alleine an seinem Klavier getextet hat, von anderen Personen auf einer Bühne vorgetragen wird, während auch noch andere Menschen dabei zuschauen. Die Probenzeit war ja relativ kurz und dadurch war besonders in den letzten zwei Wochen vor der Premiere das Arbeitspensum sehr hoch. Als dann bei der Premiere endlich alles zusammengekommen ist, auf das wir so intensiv hingearbeitet haben, war ich natürlich unglaublich glücklich und erleichtert.
MR: Das Proiekt war großartig! Natürlich war es manchmal auch anstrengend, gerade in der Klausurenphase, aber ich bin sehr froh, dass ich bei so einem besonderen Projekt mitwirken durfte und die Erfahrung machen konnte. Ich hatte die Chance Neues auszuprobieren und mit vielen tollen Menschen zusammenzuarbeiten!
KD: Im Rückblick war dieses Projekt für alle Beteiligten unglaublich bereichernd, aber auch ziemlich anstrengend. Es gab viele Momente, in denen einfach nichts funktionieren wollte – weder musikalisch noch im Textbuch – und in denen ich dachte: „Ich hab gerade echt keinen Bock mehr.“ Dann musste ich das Ganze liegen lassen und später mit einem klareren Kopf weitermachen. Auch für die Band und vor allem für die Darstellenden, die größtenteils überhaupt keine Erfahrung hatten, war es eine enorme Herausforderung. Viele wussten gar nicht, wie man so ein Stück probt oder wie Theaterarbeit überhaupt abläuft. Trotzdem haben sie sich reingearbeitet – und gerade die, die damit vorher nie Berührungspunkte hatten, haben eine Entwicklung hingelegt, auf die ich wirklich stolz bin. Ich habe das Stück bewusst ein bisschen nach den Persönlichkeiten geschrieben: Ohne Sam gäbe es keinen witzigen Reporter, ohne Linus keinen mysteriösen Bösewicht, ohne Elias keinen verpeilten Clubbesitzer – all diese Rollen leben von den Menschen dahinter. Und zu sehen, wie alle über sich hinausgewachsen sind, war für mich das Beeindruckendste an diesem Projekt.
Was vermisst ihr jetzt im Nachhinein, da das Projekt vorbei ist?
LP: Am meisten fehlen mir die kleinen Erfolgsmomente in den Proben. Wenn man das erste Mal etwas ausprobiert, das man sich ausgedacht hat, und es funktioniert. Wenn die Rollenarbeit mit den Darstellenden sich auszahlt und sie im Zusammenspiel eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Wenn aus den vielen Einzelnen ein Gesamtbild wird.
MR: Hauptsächlich vermisse ich natürlich die gemeinsame Zeit mit den anderen. Vor allem die Beleuchtungsproben waren für uns Darstellende immer lustig, auch wenn es das eine oder andere mal etwas spät wurde. Auch die Vorstellungen vermisse ich, die Zeit ging einfach viel zu schnell vorbei.
KD: Am meisten vermisse ich die intensiven Endproben. Dieses Gefühl, als Team zusammenzuwachsen, jeden Tag gemeinsam auf der Bühne zu stehen und zu merken, wie alles langsam Form annimmt. Gerade wenn man sich „warm gespielt“ hat, ist es schade, wenn plötzlich alles vorbei ist. Ich vermisse aber auch das Schreiben selbst – diese Momente, in denen man vor einem Problem sitzt, sei es musikalisch oder textlich, und so lange daran herumdenkt, bis die Lösung plötzlich da ist. Dieses Hochgefühl danach wird mir definitiv fehlen. Gleichzeitig finde ich es schön, dass wir uns auch nach dem Projekt weiterhin treffen. Das zeigt, wie sehr wir als Gruppe zusammengewachsen sind.
Hattest du vorher schon Erfahrung was (Regie führen,) Musicals spielen oder Theater allgemein angeht?
LP: Ich war schon in meiner Schulzeit in Musical- und Theater-AGs und habe dann wie gesagt vor 2,5 Jahren im tfn Jugendchor angefangen. Dadurch habe ich neben den Jugendchorproduktionen auch im Extrachor in einigen Produktionen von Musical und Musiktheater mitwirken dürfen. Zu sehen, wie in professionellen Produktionen gearbeitet wird, war sehr lehrreich. Gleichzeitig habe ich privat Gesangs- und Schauspielunterricht genommen. Mit Regie hatte ich allerdings vorher noch keine Erfahrung, deswegen bin ich sehr dankbar über dieses Projekt, in dem ich viel lernen durfte.
MR: Ja, etwas Erfahrung habe ich durch dasTheater für Niedersachsen sammeln können. Ich bin Mitglied im Jugendchor und hatte dadurch bereits die Chance, in Musical- und Opernproduktion mitzuwirken und zu lernen wie es ist auf einer Bühne zu stehen.
KD: Ja, auf jeden Fall. Seit 2016 bin ich auf der Bühne: zuerst im Kinderchor des Theater für Niedersachsens, seit 2021/22 im Jugendchor. Ich habe in Opern, Operetten und Musicals mitgewirkt und bald kommt sogar Tanz dazu, im Rahmen der „Till Eulenspiegel“-Trilogie. Durch Saltazio habe ich zusätzlich Erfahrung im Tanzen und in theaterähnlichen Situationen gesammelt. Insgesamt stehe ich also seit vielen Jahren regelmäßig auf der Bühne und vereine Gesang, Schauspiel und Tanz.
Wie wir gerade erfahren haben, seid ihr im Jugendchor des Theater für Niedersachsen und spielt auch in großen professionellen Produktionen mit. Was war euer Highlight, Lieblingsstück und größter Fail auf der Bühne?
LP: Mein Highlight war auf jeden Fall, als ich gefragt wurde, ob ich bei der „Rocky Horror Show“ als Phantom im Extrachor dabei sein möchte. Dieses Stück zu spielen hatte ebenfalls auf meiner Bucket List gestanden, weil ich die Musik so toll fand, aber ich hätte nie damit gerechnet, dass das wirklich mal passiert. Dementsprechend war das, glaube ich, auch von den Stücken, die ich gespielt habe, mein Lieblingsstück, auch wenn jedes Stück seine Besonderheiten hatte! Und genau so hatte jedes Stück seine Fails, von Requisiten, die einem ausversehen aus der Hand geschlagen werden und Texthängern, wenn einem der Name der eigenen Tochter plötzlich nicht mehr einfällt. Aber genau das macht Theater ja irgendwie aus. Ein Lieblingsstück zu benennen, von den Stücken, die ich gesehen habe, finde ich auch schwer, ich würde mich aber für „Toxic Avenger“ in Dresden entscheiden, einfach, weil die Darstellenden dort eine super beeindruckende Leistung erbracht haben.
MR: Mein persönliches Highlight war für mich meine erste Produktion, die Oper Alice im Wunderland, in der ich im Kinderchor mitgewirkt habe. Mein Lieblingsstück in dem ich mitgespielt habe ist definitiv die Zauberflöte! Größere Fails hatte ich bisher zum Glück noch nicht aber der ein oder andere Voice Crack war bestimmt dabei
KD: Mein größter Fail war ein Einsatz, den ich zwei bis drei Takte zu früh gemacht habe – mitten in einen Vamp hinein. Das Ergebnis war musikalisch ziemlich unangenehm, aber wir haben uns zum Glück schnell wiedergefangen. Ein einzelnes Lieblingsstück zu benennen, fällt mir schwer, weil mich viele Musicals inspirieren, vor allem solche mit einer Botschaft. Von den Produktionen, in denen ich selbst mitgespielt habe, war „Bring It On“ wahrscheinlich mein Favorit. Dort konnte ich Tanz, Gesang und Schauspiel miteinander verbinden und hatte eine etwas größere Rolle, wodurch ich mich mehr zeigen konnte. Es fühlte sich ein bisschen an wie „High School Musical“ auf der Bühne – das hat richtig Spaß gemacht. Jetzt freue ich mich schon auf das neue Stück in dieser Spielzeit. Es wird vermutlich mein letztes sein, aber ich habe richtig Lust darauf und bin sehr gespannt.
Titelbild: Marie Riemenscheider

